Warum ich Montage hasse II


… 9:30 am Bahnhof angekommen, es ist doch schon der nächste Zug geworden. Ich steh am Fahrkartenschalter und sage gut gelaunt: „Ich möchte bitte mit dem nächsten Zug von hier nach Stuttgart fahren, ich möchte dies in der zweiten Klasse tun“. Währenddessen krame ich meine Bahncard raus, „und ich möchte eine Platzreservierung“. Er sieht mich kurz an, tippert etwas in seinen Rechner und sagt dann: „Da müssen Sie aber in Frankfurt umsteigen“. „Ja ich weiß.“ sage ich. Er fragt: „Eine Reservierung für die gesamte Strecke?“ Nein, ich wollte von Hannover bis Frankfurt stehen, denke ich und sage: „Ja natürlich!“ Er tippert wieder etwas in seinen Rechner und sagt: „Da muss ich eine Comfortreservierung machen. Ja mach halt, denk ich mir und schweige ihn an. Er guckt nur zurück. Ich sage höflich „Sollten Sie dann nicht dort anrufen?“ Er hat also auf mein OK gewartet. Etwas Gelaber mit mit dem Telefon, später fragt er mich: „Wo wollen Sie denn sitzen?“ Ich sage: „Oh, am Fenster wäre schön und bitte ein Platz wo mir keiner gegenübersitzt.“ Ein wenig blah blah später halte ich auch schon meine Fahrkarte in der Hand. Jetzt noch fix zum Zug geflitzt. Ich sitze im Wagen 6 Platz 65. Ich laufe also mit der typischen Kopfhaltung eines Platzkarteninhabers durch den Wagen, Platz 65 gefunden mein Kopf senkt sich und natürlich… ich sitze am Gang und am Tisch, welch Wunder, dass es wenigstens Nichtraucherbereich ist. Warum fragen die eigentlich, wenn die einem dann eh nicht zuhören? Ich hab mich grade hingesetzt sticht mir ein Platz, nur zwei Reihen weiter, ins Auge. Er ist nicht Reserviert, zwar auch am Gang aber nicht am Tisch. Also kein lästiges Gegenüber, das einem ständig seine Füße entgegenstreckt. Ich gehe also zu dem Platz und frage höflich, ob ich mich setzten darf. Die Frau auf dem Nachbarsitz bejaht das recht freundlich und ich nehme Platz. Auf Höhe Göttingen wird es neben mir unruhig. Meine Sitznachbarin versucht ihren Sitz recht erfolglos aufzurichten. Ich erkläre ihr kurz den ach so komplizierten Mechanismus … fragende Blicke. Ich demonstriere ihr den Mechanismus. Ihr Blick verrät dass sie begriffen hat. Sie greift nach dem Hebelchen zur Sitzarretierung, natürlich dasselbe das ich grade benutzt hab! Ich sage: „Das ist der Hebel für meinen Sitz, der Hebel für Ihren Sitz ist auf der anderen Seite“ … fragende Blicke. Ich denk mir, blöde Kuh, zu dämlich ihren Sitz zu verstellen und ich hab den Fehler gemacht, ihr helfen zu wollen. Ich zeige auf die andere Seite ihres Sitzes. Sie hat’s endlich kapiert. Sie flötet mich an: „Haben Sie eine Allergie oder eine Erkältung?“ Ich denk was geht dich das an blöde Kuh und sage: „Wahrscheinlich beides!“ Sie flötet zurück: „Das ist aber nicht gut“. Mir doch egal, denk ich mir und dreh mich weg. Sie fragt noch mal: „Wie weit fahren Sie?“ Ich sage diplomatisch: „200 km und keinen Meter mehr!“ Sie guckt
mich verwundert an und scheint zu begreifen, dass ich meine Ruhe haben will. Doch der Eindruck täuscht. Sie fragt mich, bis zu welcher Station das wohl sei. Ich antworte, dass ich irgendwann einfach aus dem Zug springe. Jetzt hat sie’s aber begriffen! Mit einem verwirrten Gesicht beginnt sie in Ihrer Zeitung zu blättern und ich hab endlich meine Ruhe. In Frankfurt angekommen, gehe ich zur Toilette und werde kurz vor dem Eingang derselben von einem Englisch sprechenden Herrn angehalten, der wissen möchte, wie viel Geld er einwerfen müsste um die Schranke zu öffnen. Ich sage ihm, dass es 70 Cent kostet. Er zeigt mir darauf hin ein 50 Cent Stück und ich sage ihm, dass er noch 20 Cent dazu braucht. Er kramt aus seiner Hosentasche alle möglichen Geldstücke außer einem 20 Cent Stück ich weise Ihn auf den Geldwechselautomaten hin und überlasse Ihm seinem Schicksal. Als ich zurückkomme hat er den nächsten Ahnungslosen am Wickel. Ich frage mich ob man im englischen Sprachraum auch anders rechnet. So schwer kann ja eigentlich 70-50=? nicht sein. Ach egal, ich bin immer froh wenn ich die Fahrt hinter mir hab, es gibt nicht viele Dinge die mich mehr nerven.

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Eine Antwort

  1. „Sie fragt mich, bis zu welcher Station das wohl sei. Ich antworte, dass ich irgendwann einfach aus dem Zug springe.“
    Was hab ich gelacht 😀

    Ich hasse die Bahn auch. Allein der Gedanke morgen wieder 5 Stunden…
    Jedesmal ist irgend ein anderer Mist:
    Man setzt sich so hin und drumrum sind zig Plätze frei. Aber genau auf den Platz neben mir muss sich so eine alte Wachtel setzen. Bzw. muss sie vorher fragen, denn auf dem Platz neben mir sitzt mein Rucksack und darin mein schweineteures Apple MacBookPro (mein schwerer Koffer ist schon in der Ablage über mir). Ich sage also: „Ich habe jetzt schon keinen Platz mehr.“ Die Alte wird sofort unhöflich und entgegnet, dass da doch noch Platz vor meinen Füßen sei. Wie nett. Ich kann also meinen Computer gerade noch unter ihrem Arsch wegziehn.
    Auf Grund ihrer Höflichkeit ist wohl kein nervendes Gespräch zu erwarten, also gucke ich wieder in mein Buch und sie packt ihrerseits ein Buch aus. Eine hässlicher schimmliger Schinken mit einem typischen „Frauen Mitte Vierzig“-Titel wie „Das Glück des Lebens“ oder so. Ich denke, ich muss da drauf kotzen, aber so wie die abgegriffene Schwarte aussieht, hat das schon jemand vor mir getan. Also wieder eine schöne endlos lange Fahrt eingeklemmt hinter meinem eigenen Rucksack mit einer stinkenden Ökotante neben mir und einem Handyempfang der ständig abreisst, wenn man seinen Freunden sein Leid klagen will… :/

    Die schönste Szene in „Krieg der Welten“: die vor den Alieninvasoren flüchtenden Menschen stehen auf der Straße auf dem Weg zur Fähre. Vor ihnen senken sich die Schranken und ein brennender Schnellzug rast ungebremst vorbei. Ich denke mir: da war endlich mal jemand konsequent und hat die Brandbomben nicht länger für sich behalten können. Scheiss Bahn.

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