Das idyllische Vorstadtleben an einem Samstag Nachmittag


17:00 Es ist schönes Wetter, Frauchen liest und ich dachte ich schreibe mal meine Eindrücke aus unserer, wie es im Neudeutsch so schön heißt, Hood. Bei unseren Nachbarn steht wieder das alberne, kleine, aufblasbare Planschbecken im Garten. Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Tochter unserer Nachbarn mit ihrem Sohn zu Gast ist. Ich fragte mich heut Morgen schon warum ich das Gefühl hatte, in der Nähe des Oregon Vortex zu sein, jetzt weiß ich es. Gravimetrische Verzerrungen werden gemeinhin von großen Massen verursacht, so ist es auch hier. Die Tochter unserer Nachbarn wiegt geschätzte 210 kg und hat mindestens genau so viele Probleme wie Kilos. Wir haben uns also erwartungsvoll auf unsere Terasse gesetzt um die neuesten Beziehungsgeschichten zu hören, bis jetzt ist das aber eine herbe Enttäuschung. Normalerweise stehen um diese Zeit ihre Scheidungspläne auf der Tagesordnung, direkt gefolgt von ihrem Wunsch bei ihren Eltern einzuziehen. Heute scheint das entweder noch zu kommen oder es ist schon vorbei, schade! <br />Der Grill will mal wieder überhaupt nicht an gehen, dummes Ding! Naja dann mach ich eben mal wieder meine Napalm-Spezial Mischung. Währenddessen wickeln unsere Nachbarn ihren Enkel, wie immer auf der Terasse. Das führt bei ungünstigen Windverhältnissen dazu, dass wir uns auch ein Bild vom Windelinhalt des kleinen Rackers erriechen können. Besonders schön finde ich auch die lobenden Worte unserer Nachbarin über das Geschäft ihres Enkels: „Ja gucke mal, was für ein feines Scheißerchen du gemacht hast“. Es fehlt eigentlich nur noch, dass sie den Windelinhalt noch bildlicher beschreibt. Erwähnte ich, dass wir grade grillen wollten? Die Nachbarn von gegenüber müssen hellseherische Fähigkeiten haben, der Rasenmäher geht an und beschützt uns vor weiteren Eindrücken über die Fäkalien unseres Nachbarsenkels. Die Nachbarn 2 Häuser weiter waschen mal wieder auf der Straße vorm Haus die Steine ihres Gartenteiches, wie jedes Wochenende. Erwarten die Gold zu finden? Anders kann ich mir dieses Verhalten jedenfalls nicht erklären. Es sei denn die Goldfische im Teich sind Polyallergiker und brauchen ein klinisch reines Umfeld um überleben zu können. Irgendwie ist unser Grill krass drauf, die Holzkohle explodiert und schießt kleine glühende Splitter auf mich, mein Frauchen, den Tisch und den Laptop … jetzt hat er ein Brandloch. Es gibt unter Anderem „Bruzzler Grillschnecken“. Ich frage mich warum man Würstchen in eine Form bringt die in fertiger Form an ein Häufchen Kacke erinnert, vielleicht ja nur weil unsere Nachbarin vorhin so bilhaft davon erzählt hat. Unsere Nachbarn sind inzwischen zum Essen zusammengekommen und ihre Tochter hat sofort Level 3 erreicht. Es geht um ihr verkorkstes Privatleben und um ihren (Ex)Mann, der kleine hat schon wieder in die Hose geschissen, wieviel geben die dem zu essen? Ich wunderte mich schon, was hier die ganze Zeit so müffelt. Oma freut sich darüber, dass sich der kleine in die Hose geschissen hat. „… schöner Stinker …“. Inzwischen naht Level 4 der Familienidylle, der Sohn (noch zuhause wohnend) hat seine neue Freundin zum Essen abgeholt. Also wird gleich das übliche Kennenlernverhör losgehen, ich freu mich schon auf alle Details über Privatleben. Der Herr des Hauses  hat eine  sehr direkte Art. (Grade erfährt die neue Freundin dass der Neffe ihres Stechers, Ruven (wie kann man ein Kind nur Ruven nennen), ein hyperintelligentes Kind ist.)  Zurück zum Verhör: Wenn ich lange genug zuhöre, erfahre ich bestimmt noch was sie beim Ficken ruft wenn sie kommt und ob sie Orgasmen vortäuscht oder nicht. Heute haben wir offensichtlich schon regen Bierkonsum hinter uns, unser Nachbar ist jetzt schon bei Fußballstammtischparolen. Es geht grade um Klose und Podolski. Diesen Level hatte ich erst für 22 Uhr erwartet und es ist grade mal 19:20. Ich fühle mich langsam genötigt die Terrasse zu verlassen. Die Jungs von  den Teichnachbarn spielen auf der Straße, mich wundert warum die Mutter nicht ständig, wie sie es sonst tut, hinter den Jungs her rennt und versucht sie zur Vernunft zu bringen. Als ob man spielenden Vorschulkindern rationales Handeln vermitteln könnte. Wie es doch „Bullet Tooth Tony“ in „Snatch“ so schön sagte: „Man sollte nie unterschätzen wie berechenbar Beschränktheit ist …“. Die Mama läuft jetzt wieder wie ein Hund hinter den Jungs her und mahnt sie zur Vorsicht. Ich habs gewusst! Ich geh jetzt rein und entziehe mich dem ganzen Irrenhaus.

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