Wertegemeinschaft vs. Rechtsstaat


Da liest man sich so mir nichts und dir auch nichts durch die neueste Errungenschaft in seiner Blogroll, man landet bei einem Interessanten Artikel zum Thema Kirche und Mißbrauch. Weil es ganz interessant ist liest man auch die zugehörigen Kommentare und dann stolpert man über folgendes, einen Kommentar von afri-cola:

Das grundsätzliche Problem liegt darin, daß die meisten Deutschen keinen “Rechtsstaat” sondern eine “Wertegemeinschaft” wollen, die andere Wertegemeinschaften ausschließt, sie mit Gesinnungspolizei und Kerkerhaft bedroht.

Robert Zollitsch hat einmal gesagt, daß der Ratzinger ein sehr negatives Menschenbild hätte und befürchten würde, daß wenn man Menschen zuviel Freiheit gewähre, diese dann schnell sündigen würden. So ist es auch bei diesen BRDDR-Typen: wenn man Menschen zuviel Freiheit gewährt, dann könnten sie ja “Rechte” werden! Aber das ist ja konsequent: in einer Wertegemeinschaft genügt es nicht, Gesetze zu befolgen, sondern Werte müssen g e t e i l t werden. Kreationisten, Rechte und die Anhänger sog. “Sekten” können sich noch so penibel an alle Gesetze halten – wenn sie die dahinterstehenden Werte nicht gutheißen, werden sie verfolgt und diskriminiert.

Das künftige Deutschland wird aber nur ein Rechststaat bleiben können, wenn es Gruppierungen mit unterschiedlichen Werten duldet, aber selbst darauf verzichtet, eine “Wertegemeinschaft” zu sein – das schließt auch mit ein, daß Eltern ihren Kindern Kreationismus, rechtes Gedankengut usw. usw. vermitteln dürfen.

Dass das Berufsatheisten, die dem ewigen Traum der Deutschen anhängen, vom Steuerzahler dafür bezahlt zu werden, anderen Menschen ins Leben zu regieren nicht in den Kram passt, ist natürlich klar. Aber in den USA ist das glücklicherweise anders. (Wenn natürlich auch nicht perfekt.)

Übrigens: man sieht ja zur Zeit auch, wie leicht es der herrschenden Klasse fällt, die Werte der staatlichen Wertgemeinschaft durch andere Werte zu ersetzen. Man sieht also, daß es nicht um katholische Wertegemeinschaft vs. atheistische Wertegemeinschaft gehen darf, sondern um Rechststaat vs. Wertegemeinschaft.

Verdammt, so hatte ich das noch gar nicht gesehen!

Beim genauen drüber nachdenken muss ich zu meiner Schande gestehen das auch ich oft zur Wertegemeinschaft tendiere. Aber das kann ich sicher noch an meiner inneren Einstellschraube nachregeln. Leider stellt man beim genauen drüber Nachdenken auch schnell fest das der Staat an sich versucht eine Wertegemeinschaft aufzubauen. Ich meine mich daran zu erinnern das ich das im Geschichtsunterricht schon mal unter dem Namen „Gleichschaltung“ gehört habe.

Aber ein Problem hat der Rechtsstaat gegen die Wertegemeinschaft. Rechtsstaat ist nach obiger „Definition“ ein extrem tolerantes System. Ich glaube nicht das Menschen an sich zu so viel Toleranz fähig sind. Das heißt früher oder später bildet sich im Rechtsstaat eine Wertegemeinschaft welche dann wieder oben genannte Tendenzen zu etablieren sucht und somit jeden Rechtsstaat in eine Wertegemeinschaft transformiert.

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